Burka gleich Eule? Eine Aufarbeitung

Gestern Abend gab es im Fernsehen mal wieder eine nette Diskussionrunde bei Anne Will, Thema Allahs Krieger im Westen. Mit dabei, die zum Islam konvertierte Schweizerin Nora Illi, total verschleiert – also mit Burka.

Wer jetzt erwartet, dass ich mich hier mit der Sendung oder dem unendlich komplizierten Thema des Islams auseinandersetze, der hat aber sich geschnitten. Das kann man nicht mal eben in einem Post. Oder zumindest kann ich das nicht.

Aber was mich beschäftigt hat war erst mal, warum bei Facebook ein Freund mit Schweizer Wurzeln etwas über „Die Eule“ bei Anne Will schrieb. Die Eule? Wo war denn da eine Eule? Ich fragte nach und bekam von einem anderen Facebook Mitglied den Hinweis, dass es im Tierreich eine Schleiereule gibt. Ahhh, verstehe… Eule -> Schleiereule -> Burka -> verschleiert. Hach, wie witzig. OK, abgehakt.

Der Facebook Beitrag war inhaltlich nicht besonders wertvoll, er drückte nur etwas von Unverständnis, Ablehnung, vielleicht Wut und Angst aus. In wenigen Worten: „Die Eule soll doch dahin gehen wo sie hingehört.“ Wo das genau ist wollte mir der Poster dann aber auch auf Nachfrage nicht verraten. Vermutlich sollte man um die Uhrzeit auch nicht versuchen ins Detail zu gehen.

Mein Gehirn beschäftigte sich dann also nicht mehr mit dem Facebook-Beitrag oder dem Islam, sondern ausschließlich mit der Frage: Warum macht die Burka einigen Menschen Angst, verunsichert und stößt auf Ablehnung? Spontan, also scheinbar tief verwurzelt? Evolutionsbedingt könnte man nun darauf hinweisen, dass wir unser Gegenüber gerne einschätzen wollen um zu sehen ob es Freund oder Feind ist. Aber in vielen arabischen Ländern scheint es das Problem nicht zu geben (oder?). Und die Evolution hat ja nicht nur im Westen stattgefunden.

Also habe ich in meinen Erfahrungen gekramt und gemerkt, dass es in der westlichen Kultur tatsächlich schon mit dem Kindesalter angefangen hat, dem verdeckten oder verschleierten Menschen mit Angst zu begegnen.

Es fängt an mit dem Gespensterspiel. Ein Kind oder die Mama Papa zieht sich ein weißes Bettlaken über den Kopf und spielt Geist. Schreiend laufen die kleinen Kinder davon. Sie vermuten zwar, dass unter dem Laken ein anderes Kind oder die Mama steckt… aber „man weiß ja nie“. Vielleicht ist es doch ein Geist? Sicher ist man sich erst, wenn man das Laken vom Kopf hebt. Und dann ist alles wieder gut. In arabischen Ländern ist vermutlich (ich bin kein Spezialist) der Vorgang des Entschleierns Zuhause so alltäglich, dass das Kind irgendwann nicht mehr nur glaubt, dass unter dem Laken die Mutter steckt, sondern es weiß. Also hinter der Verschleierung nichts mehr Böses erwartet wird, sondern etwas Gutes.

Im Westen dagegen begegnete man ein paar Jahre nach dem Bettlaken-Geist der „Panzerknacker Bande“ bei Dagobert Duck. Die wollen immer nur Klauen, sind Diebe und böse und nicht sehr schlau.

Sobald man was Älter ist, kommen die vielen Spielfilme hinzu. Böse Cowboys ziehen sich ihr Halstuch über das Gesicht bevor sie in Dodge City eine Bank überfallen oder bei der Winnetou-Serie hinterrücks Indianer meucheln. Und auch in vielen anderen und späteren Filmen maskieren sich die Bankräuber, Diebe und Verbrecher. Die übelsten und abartigsten Monster aus der Horror-Film Branche ziehen sich komische Masken auf bevor sie Ihre Opfer abschlachten.

In den Nachrichten sah man dann in den 80ern vermummte Demonstranten die mit der Schaufel auf Polizisten einprügelten oder später in Hamburg ganze Strassenzüge auseinander nahmen und Autos in Brand steckten. Vor ein paar Jahren kamen dann noch Bilder aus einem russischen Kino dazu, wo verschleierte Attentäterinnen mit am Körper befestigten Bomben Angst und Schrecken verbreiteten. Selbst nachdem sie schon tot waren.

Man sieht also… wenn man in seinen Erfahrungen zurückblättert, dann könnte man durchaus verstehen, dass es den Menschen im Westen sehr unbehaglich wird, wenn man auf eine vermummte oder verschleierte Person trifft. Das sorgt unterbewußt und spontan für sofortige Ablehnung. Das will man nicht fühlen, das will man nicht haben, geh bitte weg oder zieh dir das Laken vom Kopf. Ob diese Unbehangen jemals verschwindet? Vermutlich nicht bei den Menschen, die in den letzten 20-40 Jahren „negative“ Erfahrungen gesammelt haben.

Nachdem ich mich also mit dem Punkt auseinander gesetzt habe, verstehe ich vielleicht die spontane ablehnende Reaktion. Eine Lösung habe ich leider nicht :-(.Und ob ein Facebook Beitrag noch „spontan“ ist, bezweifel ich sehr.

Und das mit der Eule find ich immer noch nicht witzig.

2 Gedanken zu „Burka gleich Eule? Eine Aufarbeitung“

  1. Hallo,

    ich bin zufällig auf deine Seite gestoßen.
    ich bin muslima und trage ein kopftuch es ist etwas länger als die gewöhnlichen tücher und ich falle auch sehr in de Gesellschaft auf.
    Wie die schwester nora bei maischberger schon meinte, man wird angespruckt beschimpft, obwohl ich mein gesicht nicht bedecke!

    Und Eule finde ich noch ok im gegensatz zu anderen beleidigungen die man sonst hört leiderr :(

    Leider zählt oft die person nicht hinter der kleidung .

    Es gibt dennoch viele tolarante menschen so wie du es bist :)

    Liebe grüße, elif

  2. Leider zählt oft die person nicht hinter der kleidung .

    Es gibt dennoch viele tolarante menschen so wie du es bist :)

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