Home

Weihnachtsgedicht Weihnachtsabend

Samstag, 20. Dezember 2008 | Autor:

Weihnachtsabend von Theodor Storm (1817-1888)

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
 
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
“Kauft, lieber Herr!” Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht.

Wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
“Kauft, lieber Herr!” den Ruf ohn’ Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?

Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Thema: Kultur | Beitrag kommentieren

Weihnachtsgedicht: Nun wandelt auf verschneiten Wegen

Freitag, 19. Dezember 2008 | Autor:

von Victor Blüthgen (1844-1920)

Nun wandelt auf verschneiten Wegen
die Friedensbotschaft durch die Welt.
 
Aus Ewigkeit ein lichter Segen
in das Gewühl des Tages fällt.

Schon blinkt die Nacht, die Glocken schwingen,
und willig macht die Menschheit halt.

Das wilde Drängen, Hasten, Ringen
entschläft; der wüste Lärm verschallt.

Ein Opferduft aus Tannenzweigen,
ein Wunderbaum mit Sternenpracht,
und um den Baum ein Jubelreigen -
das ist das Fest, von Gott gemacht.

O holder Traum, laß dich genießen:
daß alles glücklich, gut und fromm.

Dann mag die Seligkeit zerfließen,

der alte Kampfplatz winken: Komm.

Thema: Kultur | Beitrag kommentieren

Fliegen ist lebensgefährlich

Mittwoch, 17. Dezember 2008 | Autor:

Mit der Überschrift könnte der Blogbeitrag enden. Eigentlich ist das ja nichts Neues. “Luft hat keine Balken”. “Wer hinfällt tut sich weh”. Je höher der Sturz umso wahrscheinlicher ist es, dass man dabei stirbt. Ab 25 Meter ist der Sturz garantiert tödlich. Flugzeuge fliegen hoch, sehr hoch. Also ist fliegen Lebensgefährlich. Punkt.

Doch jetzt kommt eigentlich erst das Thema Marketing, Diskussionsbereitschaft, Abwehrhaltung ins Spiel.

Versucht mal den Satz “Fliegen ist lebensgefährlich” in geselliger Runde auszusprechen und freut euch über die (durch das geschickte Markting der letzten Jahrzehnte beeinflusste) Reaktionen der Freunde, Kollegen, Verwandten, Diskussionsteilnehmer.

Reflexartig wirst du als erstes hören: “Autofahren auch”, “Statistisch gesehen…”, “Hast du Angst vorm fliegen?”.

Wenn du jemanden sagst, “Der Umgang mit Sprengstoff ist lebensgefährlich” wirst du diese Reaktion jedoch nicht bekommen. Warum ist das so? Sprengstoffhersteller betreiben (zum Glück) kein publikumswirksames Marketing – und haben auch kein Interesse daran.

Aber welches Marketing führt den zu den Drei Standartantworten auf die Bemerkung “Fliegen ist lebensgefährlich”?

1. Verweis auf andere Gefahren. Da fliegen nun mal Lebensgefährlich ist, können die Fluggesellschaften nicht dafür werben, dass es nicht lebensgefährlich ist. Aber sie dürfen darüber berichten (Lobbyarbeit), wie gefährlich es im Vergleich zu anderen Verkehrsmittel ist. Dass der Vergleich zum Auto hinkt sollte jeden klar sein, der versucht mit dem Auto nach Thailand zu fahren. Natürlich werden wie in jedem manipulierten Vergleich Äpfel mit Birnen verglichen.

2. Die Statistik: Ob die Chance im Flugzeug ums Leben zu kommen jetzt 1 zu einer Million ist oder 1 zu 200 Millionen? Wen Interessiert das? Statistisch gesehen kommt man auch nur selten ums Leben, wenn man sich neben Jemanden stellt der sachgerecht mit Sprengstoff hantiert. Trotzdem tut man es nicht. Aber 1 zu 200 Millionen hört sich gut an, “wie ein Argument”.

3. Die Flugangst. Es waren die Marketingabteilungen der Fluggesellschaften die Abteilungen gegründet haben, die Kurse gegen Flugangst anbieten. Ein Kurs gegen Flugangst bringt nicht viel Geld. Auch nicht der dadurch gewonnene Passagier. Aber die Argumentation, “dass mit einem was nicht stimmt” wenn man Flugangst hat und man “was dagegen tun kann”, zeigt uns allen unterbewusst, dass Flugangst unbegründet und falsch ist. Das erinnert mich etwas an die Heilung der sexuell  andersdenkenden der 50er Jahre. Dabei ist Flugangst eigentlich nur gesunder Menschenverstand.

Natürlich bietet fliegen vielen Menschen etwas was. Und sie nehmen dafür die Gefahr bewusst in Kauf. Selbst fliegen macht Spaß. Urlaub am Strand macht Spaß, Kulturaustausch ist wichtig für die Wissenschaft, internationale Sportler und Künstler verdienen so Ihr Geld, Politiker tauschen sich aus. Und das Big Business verlangt nach Flügen. Das ist alles OK und darum ist fliegen auch nicht schlimmes. Es ist eben nur Lebensgefährlich.

So, und nun probiert es mal selbst aus. Sagt diesen einen Satz und erfreut euch der Reaktionen. Danach wirst du verstehen, wie gutes Marketing funktioniert.

PS: Fluggegner argumentieren übrigens genau so reflexartig mit dem Thema Umweltschutz. Das könnte also die 4. Reaktion auf diesen einen Satz sein.

Thema: Gesellschaft | Ein Kommentar

EU beschließt das Ende der Glühbirne

Montag, 8. Dezember 2008 | Autor:

Die gute alte Glühbirne wird EU-weit abgeschafft. Das hat der EU-Ausschuss nach Angaben der EU-Kommission beschlossen. Das veraltete Leuchtmittel soll dem Beschluss zufolge aus Umweltschutzgründen nach und nach vom EU-Markt verschwinden. Nach Angaben aus dem Europa-Parlament sollen Birnen mit mehr als 100 Watt von September 2009 an aus dem Handel genommen werden. Anfang 2010 folgen dann Birnen mit mehr als 40 Watt und zwei Jahre später Lampen unter 40 Watt. Die Haushalte in der europäischen Union müssen dann auf stromsparende Leuchtmittel wie Leuchtstoff-, Halogen- oder LED-Lampen umsteigen.

Die energiesparenden Leuchtstoffröhren werden in der Industrie und dem Gewerbe bereits seit Langem im vollem Umfang eingesetzt. Die Vorteile der Energiesparlampen sind auch den privaten Haushalten schon lange bekannt. Allerdings schaffen es die Energiesparlampen nie die Helligkeit der guten alten Glühbirne zu erreichen. Gerade die 75 und 100 Watt Glühbirnen können bisher nicht durch die üblichen Energiepsarlampen 1:1 ersetzt werden. Da liegt die Hoffnung auf neue Modelle und der kraftvollen weißen LED, die aber noch extrem teuer sind.

Für alle die auf helle Zimmer nicht verzichten möchten und keine Möglichkeit haben auf Leuchtstoffröhren umzustegen bedeutet das: Einen großen Vorrat anlegen.

Trotzdem ist die Entscheidung natürlich richtig. Der Markt verlangt helle Leuchtmittel und die Industrie wird diese über kurz ober lang zu akzeptablen Preisen anbieten.

Der größte Profiteur der EU Entscheidung ist allerdings die Lampenindustrie. Sie wird viele neue Modelle verkaufen, die sich mit mehreren Energiesparlampen ausrüsten lassen oder direkt mit LED funktionieren.

Auch die Leuchtstoffröhre wird nun sicher stärker Einzug in die privaten Wohnungen halten.

Thema: Umwelt | Beitrag kommentieren

WMF streicht 70 Stellen

Montag, 8. Dezember 2008 | Autor:

Die WMF streicht 70 Stellen in der Geislinger Besteckfertigung. Gespräche des Traditionsunternehmens über eine sozialverträgliche Lösung für die Betroffenen sollen Morgen beginnen.

Angefangen hat das Ende der Produktionsverlagerung von Deutschland nach China bereits mit der Einführung der Kurzarbeit Mitte Oktober. Im neuen WMF-Werk in China sind 400 Leute beschäftigt, die sicher von der Kurzarbeit nicht betroffen sind.

Begründet werden die Produktionsverlagerungen mit dem enormen Wettbewerbs- und Kostendruck in der Branche. Die Verwaltungsstellen sind von der Maßnahme nicht betroffen. WMF beschäftigt in Deutschland ca. 2000 Mitarbeiter.

Thema: Arbeit & Soziales | Beitrag kommentieren

Der kleine Laden um die Ecke: Geh endlich Pleite!

Montag, 24. November 2008 | Autor:

Ich gehöre ja eher zu den romatisch veranlagten Personen. Der kleine Laden um die Ecke liegt mir am Herzen. Ob als Buchladen wie im Film “eMail für Dich” mit Meg Ryan oder der kleine Spielzeugladen in unserem Stadteil. Man freut sich auf liebevolle kleine Läden mit begrenzter Auswahl, freundlichem Personal und dem Wissen, dass man etwas Gutes tut (für den Laden und den Stadtteil).

Doch leider ist diese romantische Vorstellung auch nur ein Klischee. Und es gibt eben auch “kleine Läden um die Ecke”, denen man nicht anderes wünschen kann, dass sie endlich verschwinden und Platz für einen anderen Laden machen.

Es ist Donnertags, 9.34 Uhr. Ich möchte für meine Nichte einen kleinen Arztkoffer zum Spielen für Weihnachten kaufen. Eigentlich gehöre ich zur Kategorie Frühaufsteher. Da ich aber weiß, dass die kleinen Läden nicht alle schon so früh aufmachen, habe ich mir etwas Zeit gelassen. Ich stehe als vor dem kleinen Spielzeugladen um die Ecke und er hat geschlossen. Öffnung erst um 10.00 Uhr. Schade eigentlich.

Aber es gibt ja noch ein paar von diesen unsympathischen “Ketten” in diesen unsympathischen Einkaufscenter nur 100 Meter entfernt, dann kann ich da ja mal nach Schuhen gucken (der kleine Schuhladen um die Ecke macht auch erst um 10.00 Uhr auf). 20 Minuten später habe ich neue Schuhe und stehe wieder vor dem kleinen Spielwarenladen um die Ecke. Innen sieht man zwei Verkäuferinnen, die aber keine Ambitionen zeigen den Laden schon um 9.55 Uhr zu öffnen. Na ja, die haben sicher noch was wichtiges zu besprechen.

Es wird 10.00 Uhr. Die Kirchturmglocken Läuten, der Laden ist immer noch zu. Deutlich bin ich am Eingang zu sehen. Ich schaue mich um und sehe einen fleißigen Verkäufer vom Nachbarladen (Schmuck), der bereits seit 10 Minuten seine Tür geöffnet hat und Warendisplays vor die Tür schiebt. Ich schaue ihn hilfesuchend an, er schaut mich an, zuckt mit den Schultern und zeigt mir damit fast ein kleines Entschuldigung für das Verhalten seiner “Kollegen” im Spielwarenladen.

10.01 Uhr, der Spielzeugladen wir aufgeschlossen, die Tür öffnet sich. Die Verkäuferin schiebt ein Display aus der Tür und stellt ihn auf. Sie flucht laut über das Wetter (es regnet nicht) und geht wieder rein. Kein freundliches “Guten Morgen”, keine Begrüßung des einzigen Kunden (mich), NICHTS.

Sie schiebt ein zweites Display raus. Wieder verpasst sie die Chance mich in das Geschäft einzuladen. Ich frage freundlich “darf ich bereits eintreten”? “Sicher” ist die kurze Antwort. Ich gehe an Ihr vorbei, direkt zur Kasse und sage der 2. Verkäuferin was ich will (Produkt + Marke). Das Produkt ist da, natürlich etwas teuerer als im Internet, aber egal. Sie gibt mit den Arztkoffer, ich bezahle und verabschiede mich mit einen freundlichen “Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch”. Eine Antwort erhalte ich nicht.

Den schönen Tag wünsche ich den beiden Damen wirklich. Aber das “Auf Wiedersehen” war gelogen. Beim nächsten Mal bestelle ich das Produkt günstiger im Internet. Da werde ich wenigstens elektronisch freundlich begrüßt und verabschiedet….

PS: Zum Glück gibt es auch noch wirklich keine romantische Läden mit freundlichem Personal. Aber es gibt eben auch Läden, die diese Aufgabe nicht erfüllen.

Thema: Gesellschaft | 2 Kommentare

Wikipedia Offline – im Namen des Volkes?

Sonntag, 16. November 2008 | Autor:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Mit diesem Text wird man derzeit auf der Webseite der Wikipedia Deutschland e.V. begrüßt.

Was war passiert? Die richtige Webseite von Wikipedia berichtet auf Ihrer Seite über Lutz Heilmann auch über dessen Stasi-Vergangenheit. Zitat: “Lutz Heilmann ist der erste ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, der in den Bundestag eingezogen ist.”

Wikipedia beruft sich dabei auf Informationen die der Spiegel im Jahre 2005 über die Stasi Vergangenheit von Lutz Heilmann veröffentlich hatte und verlinkt diese Behauptung auch auf eine Seite des Norddeutschen Rundfunks.

Zitat Webseite NDR: “Der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann, der als Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen Linkspartei angetreten war, hat in den 80er Jahren hauptamtlich für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” bestätigte am Samstag Parteisprecher Hendrik Thalheim.”

Laut NDR sei die Stasi Vergangenheit von Lutz Heilmann für die Linkspartei völlig undramatisch.

Zitat Webseite NDR:“Da viele von Heilmanns früheren Kollegen nach der Wende von Bundes- und Landeskriminalämtern übernommen worden seien, so Thalheim, sei Heilmanns Stasi-Vergangenheit “völlig undramatisch”. Heilmann hatte auf Anfrage des “Spiegel” bereits am Freitag seine Tätigkeit zugegeben. Er betonte jedoch auch, seine Parteikollegen vor der Kandidatur über seine Stasi-Mitarbeit informiert und somit die entsprechenden Regelungen der Linkspartei eingehalten zu haben.”

Dei Frage ist nun, warum Lutz Heilmann die Abschaltung der wikipedie.de überhaupt durchsetzen wollte – und warum das Landgericht Lübeck (im Namen des Volkes) dem folgte. Die Information zu Lutz Heilmanns Vergangenheit ist damit zu einem medialen Schlachtfest geworden. 1000de Blogs und natürlich auch die großen Medienkonzerne berichten nun süffisant über dieses Thema, prominentes Beispiel: www.spiegel.de.

Die Webseite von Lutz Heilmann war gestern übrigens über das Internet nicht zu erreichen:

Möglicherweise war dies ein Racheakt diverser Mitglieder des Volkes, die Ihre eigene Interpretation von “Im Namen des Volkes” haben. Welche der beiden Interpretation “Im Namen des Volkes” (die des Gerichtes oder die der Website-Hacker von Lutz Heilmann) dem gesamten Volke näher kommt, muß Jeder selbst entscheiden.

Vielleicht wollte Lutz Heilmann aber auch nur erreichen, dass alle die seinen Namen im Zusammenhang mit der Stasi erwähnen nun Angst haben gerichtlich belangt zu werden. Vermutlich hat er sogar das Ziel erreicht. Zwar wird nun im Internet wie erwähnt dieser Zusammenhang X-Fach hergeleitet, jedoch zittern die Journalisten vermutlich vor Angst wenn sie dies tun. Lutz Heilmann selbst äußerte sich gegenüber der Pressein etwa so: Er habe nicht das Bedürfniss die Berichterstattung über ihn zu unterbinden, sondern auf sie Einfluß zu nehmen. Schließlich seien Berichte auf Wikipedia.org über ihn aus der Boulevardpresse übernommen worden und nicht korrekt.

Für mich ist folgedes festzuhalten:

Die Gesellschaft hat die Aufgabe die Pressefreiheit zu schützen. Sie ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Selbstverständlich gilt das für alle Seiten.

Wenn ein Gericht feststellt, dass eine Boulevardpresse einen nachweislich falschen Bericht verfasst hat, dann sollte sich das Gericht direkt an die Boulevardpresse wenden und für einen Gegendarstellung sorgen. Das Gericht sollte sich nicht sinnfrei an einen Verein wenden, der einen Link zu einer Seite einer Organisation gesetzt hat, die wiederum Zitate aus der Boulevardpresse veröffentlicht hat. Selbstverständlich bin ich auch der Meinung, dass es Aufgabe der Wikipianer ist, die Gegendarstellung zu einem falschen Bericht in gleicher Weise zu würdigen, wie die Zitate aus dem falschen Bericht. Das geht natürlich nur, wenn der Bericht denn auch nachweislich falsch war und eine Gegendarstellung existiert….

Albert Danzas

PS: Mir ist durchaus Bewußt, dass sich das Gericht ausschließlich mit dem Antrag des Antragstellers beschäftigt.

Thema: Internet, Politik, Recht | Ein Kommentar

Tausche BMW gegen 30″ TFT

Dienstag, 4. November 2008 | Autor:

550 Euro im Monat hat mich der geleaste BMW gekostet. Vor 6 Jahren musste ich ihn haben. So ein richtiger geiler Flitzer. Natürlich trotzdem ein Diesel, nur 5.3 Liter im Durchschnitt. Für 150 PS gar nicht schlecht. Mit dem Auto war ich gerne und viel in Deutschland unterwegs. Lange Strecken. Mal eben nach Hamburg, München, Berlin, Dresden. Buchmessen, Verlage oder Freunde besuchen. Im Urlaub nach Frankreich, ab an die Küste. Das Auto hatte seinen Zweck wirklich erfüllt. Ganz toll. 

Im Jahre 2006 habe ich mich dann von dem BMW wieder getrennt. Ich bin halt doch ein verkappter ÖKO und mochte nicht mehr Schuld an der Klimaerwärmung sein. Oder an der Nahost Krise, dem ewigen Kampf um die den Rohstoff Öl.

Seitdem habe ich viel Geld gespart. Sehr viel Geld (was aber nicht der Grund für die “Trennung” war).

Vor 3 Monaten habe ich dann etwas von diesem Geld in die Hand genommen und mir einen 30″ TFT Monitor angeschafft. Größere  Monitore habe ich schon immer gemocht. Wenn Andere noch in Ihre 17″ Röhre geschaut haben, war ich bereits bei 19″. Und seit 2 Jahren habe ich einen 22 Zöller. Konnte ich mir vor 2 Jahren spontan leisten :-).

Aber jetzt mit dem 30″ Monitor sehe ich die Welt plötzlich ganz anders. Ich arbeite viel am PC, bin viel im Internet. Schon immer. Und ich könnte mich selbst verprügeln, warum ich Jahrelang auf diesen Komfort verzichtet habe. Ich war viel mit dem BMW unterwegs. Aber noch viel mehr mit meinem PC. Der BMW kostete mich 550 Euro im Monat. Für meine PC Austattung habe ich nichtmal 550 Euro im Jahr ausgegeben. Ich Trottel. Dabei merke ich erst mit dem 30″ Monitor, auf wieviel möglichen Komfort ich all die Jahre verzichtet habe. Wie viel schneller und strukturierter ich jetzt arbeiten und alles wiederfinden kann. Nie wieder wird mir das passieren. Hoffe ich.

PS: Einen Tip an Arbeitgeber habe ich auch noch: kauft euren Angestellten wirklich große Bildschirme und ihr werdet erleben, wie sie entspannter besser performen.

Thema: Arbeit & Soziales | Beitrag kommentieren

Das erste (Papier) Buch mit DRM!

Mittwoch, 22. Oktober 2008 | Autor:

Als Schriftsteller habe ich natürlich Interesse, dass meine Autorenrechte bewahrt bleiben. Aber diese Geschichte ist so verrückt, das glaubt mir doch kein Mensch.

Am Samstag schlenderte ich durch die Kölner Innenstadt und aß gemütlich eine Pizzaschnitte. Vor einem der vielen Buchläden blieb ich stehen und schaute neugierig durch das Fenster. Nachdem ich die letzten Bissen vertilgt hatte, enterte ich den Laden und schaute mich nach der Bestsellerliste für Sachbücher um.

Auf der anderen Seite des Raumes fand ich schließlich die Vitrine mit den Bestsellern und ging darauf zu. Auf dem Weg zur Vitrine kamen ab und zu Verkäuferinnen auf mich zu, schauten mir auf das Revers meines Jacketts und gingen wieder. Ich konnte mir das zwar nicht erklären, ging aber einfach weiter. Links und rechts der Vitrine flackerten mich Farbdisplays mit Werbung der Kommerzbank und von einem Single-Club in Neuwied an. Etwas irritiert versuchte ich die Vitrine zu öffnen um mir das Buch “unbrauchbares neu verpackt” anzuschauen. Doch die Vitrine war verschlossen. Ich drehte mich hilfesuchend um und eine Verkäuferin stand auch schon gleich neben mir.

“Wollen Sie mal einen Blick reinwerfen?” fragte sie lieblich. “Sicher” antwortete ich. “Dann brauche ich mal Ihren Ausweis”. Ich war noch mehr irritiert, aber vielleicht haben diese Bücher ja einen hohen Wert und die Kölner Buchhändler schlechte Erfahrungen mit schnell flitzenden Kunden gemacht? Ich gab ihr den Ausweis und erhielt das Buch. Ich las die ersten Seiten und sah im Augenwinkel, wie die Verkäuferin Daten von meinem Ausweis in den Computer tippte. Ich schüttelte den Kopf und las weiter.

Das Buch gefiel mir und ich entschloss mich es zu kaufen. In dem Augenblick kam auch schon die Verkäuferin auf mich zu, gab mir meinen Personalausweis zurück und einen lustigen Ansteckbutton mit einem Strichcode für das Jackett.

“Damit können wir schon beim reinkommen nachvollziehen wann sie hier waren, welche Bücher sie mögen und was sie kaufen. Wenn sie wünschen, schicken wir Ihnen dann an jetzt immer aktuelle Informationen per Post, z.B. wenn es etwas Neues gibt was sie interessiert oder sie schon länger nicht mehr bei uns waren”, rasselte die Verkäuferin freundlich runter. “Aha”, dachte ich lachend, iss ja wie im Internet.

“Das Buch hätte ich gern”. Ich zog meine Brieftasche aus dem Jackett und schlenderte mit der Verkäuferin zur Kasse. Sie scannte zuerst das Buch und dann den Button an meinem Jackett. “Wie wollen Sie zahlen?”.

“In Bar” antwortet ich. “Für 19,98 lohnt sich ja nicht die Bankkarte zu nehmen.”. Ich bezahlte und erhielt einen verschlossenen kleinen Umschlag. “Ihre Pin” säuselte die Verkäuferin freundlich, “und einen schönen Tag noch”.

Jetzt schaute ich schon etwas verdutzt. “Und das Buch?”.

“Das erhalten Sie per Post. Sobald Sie zu Hause sind wird es schon in Ihrem Briefkasten sein.” sagte sie freundlich aber bestimmt.

“Ich wollte das Buch aber jetzt lesen” antwortet ich unfreundlich aber genauso bestimmt.

“Tut mir leid. Als besonderen Service für registrierte Kunden die bereits bezahlt haben bieten wir Ihnen die Möglichkeit an, dieses Testexemplar da hinten auf dem Sofa zu lesen. Ihr Original erhalten Sie per Post”. Die Verkäuferin wollte mir ein abgegriffenes Exemplar des Buches in die Hand drücken, welches ich aber ablehnte. Ich beschloss nach Hause zu gehen und mich auf dem Weg dahin noch etwas über diese Merkwürdigkeiten zu ärgern.

Zuhause war tatsächlich bereits ein kleines Päckchen für mich angekommen. Ich öffnete es und fand darin ein Buch. Allerdings war es deutlich schwerer als das Exemplar im Buchladen. Auch hatte es nur einen schlichten Plastikeinband und in der Innenseite ein kleines Display und ein Batteriefach. Und außer den Einband konnte ich es auch nicht öffnen.

Über dem Display war ein roter Aufkleber mit der Aufschrift: “Hier bitte Pin rein sprechen”. Die Wut stieg weiter in mir hoch. Ich wollte doch nur dieses verdammte Buch lesen. Zum Glück erinnerte ich mich trotz Wut an den kleinen Umschlag der Verkäuferin und öffnete diesen. Heraus fiel ein langer Zettel mit 48 Zeichen, Buchstaben und Zahlen! “Das mache ich nicht” rief ich entsetzt.

“Die Pin ist nicht korrekt” antwortete das Buch leise.

Verdutzt schaute ich das Buch an. “Ich fass es nicht!” brüllte ich, “das kann doch nicht dein Ernst sein”.

“Die Pin ist nicht korrekt” antwortete das Buch leise.

Ich warf das Buch in die Ecke und raufte mir die Haare. Was ist das bloß für ein schlechter Albtraum? Zur Beruhigung meiner Nerven ging ich ins Wohnzimmer und schüttete mir einen doppelten Cognac ein. 10 Minuten später hatte ich mich beruhigt und wollte es nun wissen. Ich holte das Buch und die Pin und fing langsam ein den Code zu sprechen:

“ARTZ-T6gg-VVJi-oioi-06gT-!po….

“Die Pin ist nicht korrekt” antwortete das Buch leise.

“Rufzeichen” hat ihm wohl nicht gefallen. Also noch einmal, diesmal mit “Ausrufezeichen“. Das klappte sogar. Nach ein paar Versprechern hatte ich es nach 11 Versuchen tatsächlich geschafft und das Buch lies sich öffnen.

Aber halt, das nächste Problem, dass Buch klemmte. Ich konnte es nicht ganz öffnen, sondern nur um ca. 105 Grad. So konnte ich es zwar mit Mühe lesen, aber nicht mit Genuss.

Ich legte das Buch erstmal wieder in die Ecke und wollte es am Montag in der Kölner Innenstadt umtauschen gehen. Es war ja offensichtlich defekt. Ich goss mir noch ein paar Cognac ein und vergaß den Ärger erstmal.

Montagmorgen machte ich mich auf in die Stadt und ging mit dem Buch schnurstracks in den Buchladen. Dort knallte ich das Plastikbuch auf die Theke und sagte “Hören Sie mal, erst muss ich 11x die PIN eingeben und dann ist das Ding defekt”.

“An die Pin gewohnt man sich mit der Zeit. Sie müssen die ja nur eingeben wenn sie das Buch lesen wollen, nicht wenn sie umblättern” belehrte mich die Verkäuferin. “haben Sie Ihre PIN dabei?”.

“Wie? Ich hatte die Pin doch schon eingegeben. Ich muss das doch nicht jedes Mal machen wenn ich das Buch wieder lesen will oder was?”

“Natürlich, schon!” antwortete die Verkäuferin. “Sonst könnte es ja Jeder lesen”.

Sie gab Ihren Supermasterpin ein und öffnete das Buch bis auf 105 Grad. “Funktioniert tadellos” strahlte Sie.

“Aber es geht nicht weiter auf” sagte ich und wollte es ihr zeigen.

“Weiter darf es auch nicht aufgehen, sonst könnte man es ja kopieren” ermahnte mich die Verkäuferin wie selbstverständlich. “Schließlich müssen die Autorenrechte bewahrt bleiben. Darum hat das Buch DRM eingebaut. Sonst würden ja keine Bücher mehr verkauft, die Autoren würden keine Bücher mehr schreiben… und dann?” fragte sie mich spöttisch.

Dann wachte ich auf!

Um Gottes willen. Wenn die Buchindustrie das macht, was die Musikindustrie und die Spieleindustrie macht, dann gehe ich als Autor unter und verkaufe nie ein Buch!

Albert Danzas

Thema: Allgemeines | 7 Kommentare

Die Profiteure der Bankenkrise

Montag, 20. Oktober 2008 | Autor:

Ein Banker behauptete im Fernsehen, es gäbe keine Profiteure der Bankenkrise. Genau so wie das Geld ja nur auf dem Papier viel Wert war, ist es nun halt wieder weniger Wert. Ich sehe das ganz anders und habe dazu ein klare Meinung.

Zur Erinnerung: Die amerikanischen Verbraucher haben in den letzten Jahren gigantische Schulden angehäuft und von dem Geld z.B. Immobilien gekauft. Diese Immobilien wurden gebaut (von amerikanischen Arbeitnehmern), der amerikianischen Wirtschaft ging es gut. Na ja, zumindest nicht so Katastrophal wie es eigentlich sein müsste bei den hohen Staatsausgaben.

Wenn die amerikanischen Banken auf den schlechten Schulden sitzen geblieben wären, hätte sich der Kreis wieder geschlossen und alles wäre in der US Volkswirtschaft hängen geblieben. Freud und Leid. Eine Nullnummer.

Doch die amerikanischen Banken haben die schlechten Schulden weltweit vermarktet und verkauft. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wo das Pyramidensystem auf dem amerikanschen Markt zu kollabieren drohte. Ausländische Banken sind auf den Zug aufgesprungen und haben 100te Milliarden in amerikanische Schulden “investiert” (mit echtem Geld). Jetzt, wo das Kartenhaus zusammengebrochen ist, bekommen die ausländischen Banken die Schuldverschreibungen nicht mehr los und schreiben sie ab. Prominente Beispiele gibt es viele (Landesbanken, Mittlestandsbanken, Privatbanken und sogar die KFW). Sogar ganze Länder haben ihr Geld verloren (Island).

Mit anderen Worten, die ausländischen Banken haben die amerikanische Wirtschafts der letzten Jahr mitfinanziert. Und um diese Banken nun zu stüzen, greift der Staat (z.B. Deutschland) mit unseren Steuergeldern ein. Der größte Profiteur der Bankenkrise ist also der Amerikaner. Und wir alle haben dafür bezahlt! Man könnte nun daran glauben, dass sei Zufall…. ich glaube das nicht!

Im zweiten Teil zum Thema werde ich über die deutschen Profiteure schreiben.

Euer Albert Danazas

Thema: Finanzen | Beitrag kommentieren